Fr - 20:00 Uhr
08.05.15

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Essigfabrik
Kanalstraße 26-28
23552 Lübeck
www.essigfabrik-luebeck.de
www.klangrauschen.com

Zeitriss

anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus



70 Jahre werden am 08.05.2015 seit der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus vergangen sein – für die Musiker von RADAR Anlass genug, sich dem geschichtlichen Ereignis mit dem Konzertprogramm Zeitriss anzunähern, in Erinnerung an alle Gräuel und an die zahlreichen Opfer.

Mit dem berühmten „Quatuor pour la fin du temps“ interpretiert das Ensemble ein Werk, dessen Uraufführung mitten im Kriegsgeschehen stattfand. Im Juni 1940, auf einem Feld bei Toul, westlich von Nancy: Nach der Niederlage Frankreichs hatten die Deutschen „Tausende von erschöpften, verratenen Soldaten wie in einem Fischernetz zusammen gepfercht“, wie sich der Dichter Guy Bernard später erinnerte. Die Franzosen hausten unter freiem Himmel und warteten auf den Abtransport in die schlesischen Lager. Mitten in dem Trubel brachte der Klarinettist Henri Akoka unter freiem Himmel vor Tausenden von Mitgefangenen ein Solostück zur Uraufführung, das Olivier Messiaen im Lager für ihn geschrieben hatte. Der Cellist Régis Pasquier diente ihm als Notenständer.

Auf diese Weise wurde ein Stück aus der Taufe gehoben, das Messiaen im Jahr darauf als dritten Satz in sein „Quartett für das Ende der Zeit“ einfügen sollte. Die Uraufführung des gesamten Quatuor pour la fin du temps fand unter nicht weniger berührenden und dramatischen Umständen statt als die des Klarinettensolos auf einem Acker bei Nancy: Im STALAG VIIIA bei Görlitz, wo „achttausend Belgier und vierzigtausend Franzosen in ein Lager mit dreißig Baracken kamen“, war eine Baracke zum Lagertheater umgebaut worden, eine andere zur Kirche. In Letzterer räumte man Messiaen eine Ecke zum Komponieren ein, in Ersterer kam am 15. Januar 1941 das vollendete Quartett zur Uraufführung. Auch die deutsche Lagerleitung war anwesend, umgeben von 400 Franzosen, die wegen der Januarkälte in geflickte tschechische Uniformen und Holzpantoffeln gestopft worden waren, um der Uraufführung des Quartetts zu lauschen.

Dem Werk liegt ein ausführliches Programm zugrunde, das von der Geheimen Offenbarung des Johannes inspiriert ist. Im Erstdruck ließ der Komponist unter dem Titel folgenden Zusatz anbringen: „En Hommage à l’Ange de l’Apocalypse, qui lêve la main vers le ciel en disant: „Il n’y auras plus du Temps“. Er schrieb das Quartett demnach zur Erinnerung an jenen Engel der Offenbarung, der, die Hände zum Himmel erhoben, das Ende jeglicher Zeit verkündet. Zum Aufbau bemerkte der Komponist: „Das Quartett hat acht Sätze. Warum? Sieben ist die vollkommene Zahl, die Schöpfung von sechs Tagen, geheiligt durch den göttlichen Sabbat; dieser siebte Tag dehnt sich aus in die Ewigkeit und wird zum achten des unauslöschlichen Lichts und des unvergänglichen Friedens.“

Im zweiten Teil des Konzerts erklingt die Klang-Video-Installation „Block-R“ von Burkhard Friedrich, die sich auf die unmittelbare Bedrohung bezieht, die im 3. Reich in dem malerischen Gebiet zwischen Sachsenhausen und Hohenlychen am Rande der südlichen Uckermark, nördlich von Berlin mit zunehmender Intensität bis 1945 geherrscht hat.

Es musizieren Vera Katharina Schmidt (Violine), Jaesung Lim (Violoncello), Nora-Louise Müller (Klarinette), Ninon Gloger (Klavier), Felix Kroll (Akkordeon) und Jonathan Shapiro (Perkussion).




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Gestaltung: Felix Kroll